Studieninfo zum Fach Ur- und Frühgeschichte
Abschluss: Master of Arts
Inhalt
- Portrait des Fachs
- Anforderungen an Studieninteressierte
- Berufs- und Tätigkeitsfelder
- Struktur und Aufbau des Studiums
- Hinweise zur Studien- und Prüfungsordnung
- Literaturhinweise
1. Portrait des Fachs
1.1 Geschichte und Methoden
Die Ur- und Frühgeschichtswissenschaft versteht sich als historisch arbeitende Kulturwissenschaft. Ihre Quellen sind die erhalten gebliebenen materiellen Hinterlassenschaften, also Funde und Befunde. Sie erforscht Kultur, Wirtschaftsweise und soziale Strukturen der frühen Menschheit ebenso wie Religion, Brauchtum und Kunst. Ihr Ziel ist die Analyse und Rekonstruktion kulturgeschichtlicher Zusammenhänge und Entwicklungsprozesse der ferneren Vergangenheit, also über den zeitlich-räumlichen Rahmen schriftlicher Überlieferung hinaus. Die Ur- und Frühgeschichte beginnt daher mit dem Auftreten des Menschen ab ca. 2.000.000 vor heute und endet zeitlich und räumlich dort, wo neben die Bodenfunde in erheblichem Umfang schriftliche Quellen treten (Mittelalter). Prinzipiell unterliegt die Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie keiner räumlichen Begrenzung, der Studiengang fokussiert dabei aus Gründen arbeitsmarktrelevanter Ausbildung auf den europäischen Raum.
Die Ur- und Frühgeschichtswissenschaft vermittelt aufgrund neuerer, interdisziplinär unabdingbarer Methoden zwischen den traditionellen Geistes- und Naturwissenschaften. Im Wesentlichen umfassen sie:
- Methoden der Feldforschung (Prospektion, Ausgrabung),
- Methoden der Analyse von Funden und Befunden (Klassifikation, relative und absolute Altersbestimmung, räumliche Verbreitung, Material- und Herkunftsbestimmung, Funktion und Technologie),
- archäoökologische Methoden in interdisziplinärer Zusammenarbeit mit Bio- und Geowissenschaften (Landschaftsökologie, Geologie, Geographie, Archäobotanik, Archäozoologie, Anthropologie u.a.)
- Methoden der Interpretation und Rekonstruktion kulturgeschichtlicher Verhältnisse und Prozesse (Experiment, historische/ethnologische Analogie, Modellbildung und Verifikation).
Während der BA "Archäologie-Geschichte-Landschaft" stärker interdisziplinäres Grundwissen aus dem Bereich der Geowissenschaften und Geschichtswissenschaften integriert, treten im MA "Ur- und Frühgeschichte" die fachspezifischen Kenntnisse und Verfahrensweisen der Prähistorischen Archäologie sowie – mit dem Blick auf die zukünftige berufliche Tätigkeit der Absolventen – ihre kompetente Anwendung stärker in den Vordergrund. Dies wird erreicht zum einen durch eine Vertiefung altertumskundlicher und kulturwissenschaftlicher Aspekte, zum anderen durch eine Ausweitung fachspezifischer Methoden- und Verfahrenskenntnisse. Den dritten und verbindenden Baustein bildet die Praxisorientierung des Studiengangs, die die fachlichen und methodischen Kenntnisse integriert. Der Masterstudiengang "Ur- und Frühgeschichte" vertieft somit für die BA-Absolventen in hervorragender Weise die verschiedenen für die prähistorische Archäologie bedeutsamen quantitativen Untersuchungs- und Analysemethoden und führt damit zu einer problemorientierten Ausweitung fachspezifischer Verfahrenskenntnisse. Nicht zuletzt bereichert der neue MA "Ur- und Frühgeschichte" das kulturwissenschaftliche Profil der Universität durch seinen ganzheitlichen interdisziplinären Forschungsansatz, der den modernen Forschungsströmungen Rechnung trägt.
1.2 Lehr- und Forschungsschwerpunkte
Der als Ein-Fach-Master konzipierte Studiengang "Ur- und Frühgeschichte" vermittelt eine zeitlich und regional gegenüber der BA-Phase vertiefte und ausdifferenzierte Quellenkenntnis der ur- und frühgeschichtlichen Epochen Europas (Alt-, Mittel-, Jungsteinzeit, Bronzezeit, Vorrömische Eisenzeit, Römische Kaiserzeit, Völkerwanderungszeit, Frühmittelalter bis Mittelalter). Auf dieser Basis eines kompetenten Überblicks zum Forschungsstand werden die Studierenden in die Lage versetzt, selbständig fachspezifische wissenschaftliche Fragestellungen zu entwickeln und sie durch kritische Analyse forschend zu bearbeiten. Diese Befähigung zu selbständiger und kritischer fachwissenschaftlicher Arbeit, ist als qualifizierende Kompetenz für alle in Frage kommenden Berufsfelder anzusehen.
Der Studiengang legt außerdem Aufmerksamkeit auf die altertumswissenschaftlich-kulturwissenschaftlich vergleichende Dimension archäologischer Sachverhalte und Interpretationen und auf die Fähigkeit zum wissenschaftlichen Diskurs. Die Fähigkeit der inter- bzw. multidisziplinären Zusammenarbeit wird dabei durch komplementäre Einblicke in die Arch6äologie des östlichen Mittelmeerraumes, Ägyptens und Vorderasiens gefördert. Im Vergleich dieser verschiedenen archäologischen Disziplinen lernen die Studierenden, den eigenen fachspezifischen Kanon selbstreflektierend zu erfassen sowie die eigene Expertisekompetenz klarer zu fassen, zu formulieren und schließlich fachübergreifend zu kommunizieren.
Die Absolventen erhalten den Abschlussgrad "Master of Arts (MA)". Da praktisch sämtliche Stellen im zukünftigen Berufsfeld eigenständige Forschungsleistungen erfordern, muss der Studiengang diesem Umstand durch seine Forschungsorientierung Rechnung tragen. Ein wesentliches Profilmerkmal des Studiengangs besteht somit in der engen Verflechtung von Forschungs- und Praxisanteilen.
Geographisch liegen die Lehr- und Forschungsschwerpunkte der deutschen Ur- und Frühgeschichtswissenschaft, somit auch des Münsteraner Instituts, zumeist in Europa und seinen angrenzenden Gebieten, darunter besonders für die frühen Zeiten auch in Süd- und Südosteuropa und im östlichen Mittelmeerraum wegen der besonderen Rolle dieser Räume als Mittler zu den frühen hochkulturellen Zentren der Ägäis und Vorderasiens. Hier bieten sich generell räumliche und inhaltliche Anknüpfungspunkte zu Forschungsfeldern der Alten Geschichte und angeschlossener Fachbereiche an der WWU (Forschungsstelle Asia Minor, Historische Landeskunde des antiken Griechenland, Centrum für Geschichte und Kultur des östlichen Mittelmeerraums) an. Die Ur- und Frühgeschichtswissenschaft ist mit weiteren archäologischen, geschichtswissenschaftlichen und naturwissenschaftlichen Fachgebieten methodisch, inhaltlich und oft auch zeitlich verknüpft und stellt für viele Wissenschaftszweige methodisch abgesicherte Daten zur Verfügung. Durch die interdisziplinär kulturvergleichende Komponente des Studiengangs "Ur- und Frühgeschichte" ist in der Lehre eine Zusammenarbeit mit der Ägyptologie, Vorderasiatischen Archäologie (MA-Studiengang "Sprachen und Kulturen Ägyptens und Altvorderasiens") und der Klassischen Archäologie (MA-Studiengang "Klassische Archäologie") vereinbart. Dazu kommen Überschneidungen in der praktischen Ausbildung (wie Geländebegehungen, Ausgrabungs- und Museumspraxis), die auch für schrifthistorisch orientierte Bereiche immer wichtiger werden. Gerade die Fachkompetenz der Ur- und Frühgeschichte bei der praktischen Geländeausbildung kann auch weiteren archäologischen Fächern an der WWU (Klassische Archäologie, Vorderorientalische Archäologie, Ägyptologie) zugute kommen.
Die Lehre und Forschung im Bereich der Ur- und Frühgeschichte beschränkt sich nicht nur auf den westfälischen Raum und seine Nachbarregionen, wobei hier insbesondere zur ebenfalls an der WWU angesiedelten Westfälischen Landesgeschichte Berührungspunkte vorhanden sind. Das Forschungsfeld und die Forschungsmethodik der Ur- und Frühgeschichte ist keiner geographischen Beschränkung unterworfen. Damit wird ein international einsetzbares Schlüsselwissen erworben. Durch Forschungskooperationen und Austausch mit ausländischen Universitäten (Universität Leiden) oder Forschungsinstitutionen (Bulgarische Akademie der Wissenschaften) wird darüber hinaus eine internationale Vernetzung des Institutes gewährleistet, die nicht nur im Rahmen von gemeinsamen Projekten zum Tragen kommt, sondern auch dem Austausch von Studierenden durch Praktika etc. dient. Der internationale Austausch von Wissenschaftlern und Studierenden kann generell durch Programme wie den Erasmus-Austausch oder durch Humboldt-Stipendien gefördert werden.
1.3 Studiensituation in Münster
Durch eine breit angelegte Praxisphase kommen die Studierenden durch ihre Tätigkeit in Museen, der Bodendenkmalpflege oder weiteren Forschungseinrichtungen intensiv mit zukünftigen Aufgabenfeldern und potentiellen Arbeitgebern in Kontakt. Das eher forschungsorientiert angelegte Studium wird somit durch eine vielfach nutzbare, berufsfeldbezogene Praxiserfahrung ergänzt.
Der Personalbestand setzt sich aus zwei Professorenstellen und einer Wissenschaftlichen Assistentenstelle zusammen. Dazu kommen noch Wissenschaftliche Mitarbeiter. Alle Lehrenden bieten innerhalb des Semesters und während der vorlesungsfreien Zeit regelmäßig Studienberatungen an. Das Lehrangebot wird ergänzt durch externe Lehrende, die den diversen Arbeitsbereichen der BA-Studierenden (Bodendenkmalpflege, Museen, Forschungsinstitute) entstammen und hierdurch nicht nur das Lehrangebot bereichern, sondern darüber hinaus auch als Ansprechpartner für Fragen zur Arbeitslage zur Verfügung stehen. Außerdem hilft eine sehr engagierte Fachschaft, die sich aus jüngeren und älteren Studierenden zusammensetzt, bei Fragen zum Studienablauf und Problemen während des Studiums.
Die Abteilung für Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie verfügt über
eine Institutsbibliothek im Gebäude. Der aktuelle Bibliotheksbestand
umfasst ca. 45.000 Buchbinderbände (inklusive Zeitschriften). Im
Bibliotheksbereich sind mehrere PCs mit einem fachspezifischen
Literaturrechercheprogramm und ein Online-Zugang zu den Datenbanken und
Serviceeinrichtungen der Universitäts- und Landesbibliothek (ULB)
allgemein zugänglich. An diesen PC-Stationen können die Studierenden
auch Scan-Arbeiten verrichten und PowerPoint-Präsentationen erarbeiten.
Im Bibliotheksbereich sind 26 Arbeitsplätze für Studierende und
Examenskandidaten vorhanden.
Neben der institutseigenen Bibliothek stehen den Studierenden fachaffine
Bibliotheken der Universität (Klassische Archäologie, Vorderasiatische
Archäologie, Historisches Seminar etc.) zur Verfügung. Dazu kommt noch
die umfangreiche ur- und frühgeschichtliche Fachbibliothek des in
Münster ansässigen Zentralreferats der LWL-Landesarchäologie.
Um die Studierenden an die Arbeit mit archäologischen Funde nahezubringen, verfügt die Abteilung für Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie über eine umfangreiche Lehrsammlung, die Originalfunde und Kopien wichtiger Fundstücke vom Paläolithikum bis ins Mittelalter beherbergt.
2. Anforderungen an Studieninteressierte
Voraussetzung für den Zugang zum Masterstudiengang Ur- und
Frühgeschichte ist neben den allgemeinen Voraussetzungen für die
Einschreibung die Absolvierung eines fachlich einschlägigen Studiums mit
einer Regelstudienzeit von mindestens sechs Semestern, das mit einem
Bachelor oder einem anderen berufsqualifizierenden Abschluss (Diplom,
Staatsexamen etc.) erfolgreich beendet worden ist. Fachlich einschlägig
ist der Bachelorstudiengang "Archäologie-Geschichte-Landschaft" oder ein
fachaffiner Studiengang an einer deutschen oder ausländischen
Hochschule. Der Nachweis der besonderen Eignung ist erbracht, wenn in
dem Abschluss eine Note von mindestens 2,5 oder eine äquivalente
Qualifikation erzielt wurde. Liegt im Zeitpunkt der Bewerbung noch kein
Abschlusszeugnis vor, reicht ein vorläufiges Zeugnis mit einer
entsprechenden Note. Die besondere Eignung kann auch durch den Nachweis
erbracht werden, dass die Bewerberin/der Bewerber zu den besten 40 %
ihres/seines Jahrgangs gehören. Darüber hinaus kann die besondere
Eignung auch durch andere einschlägige Leistungen, z.B. einschlägige
Berufserfahrungen oder Praktika in relevanten Einrichtungen, oder eine
besondere Motivation für den Masterstudiengang Ur- und Frühgeschichte
nachgewiesen werden. Die erforderlichen Feststellungen trifft die
Auswahlkommission.
Für Bewerberinnen/Bewerber, die ihre Hochschulzugangsberechtigung nicht
an einer deutschsprachigen Einrichtung erworben haben, ist der Nachweis
von ausreichenden Kenntnissen der deutschen Sprache eine weitere
Zugangsvoraussetzung. Der Nachweis wird gemäß den Bestimmungen der
DSH-Prüfungsordnung der Westfälischen Wilhelms-Universität erbracht. Der
Nachweis ist nicht erforderlich für Bewerberinnen /Bewerber, deren
Muttersprache Deutsch ist.
Es sind Fremdsprachenkenntnisse in Englisch und einer weiteren modernen
Fremdsprache Voraussetzung für die erfolgreiche Bewältigung des
Studiumgangs. Als Nachweis dienen schulische Zeugnisse (Allgemeine
Hochschulreife oder ein vergleichbarer Abschluss mit mindestens drei
Schuljahren für den Spracherwerb), universitäre Nachweise (mindestens
zwei Semester) und muttersprachliche Kompetenz.
Neben diesen formalen Vorgaben sind von den Studierenden ein hohes Maß
an Interesse am Fach, die Bereitschaft, das bestehende Wissen immer
wieder zu hinterfragen und um neue Erkenntnisse zu erweitern, und
Eigeninitiative besonders im Bereich des Praxismoduls gefragt.
3. Berufs- und Tätigkeitsfelder
Das Studium bereitet die Absolventen und Absolventinnen gezielt auf eine Tätigkeit in ihren späteren Hauptberufsfeldern – der Bodendenkmalpflege, dem Museumsbereich sowie den Hochschulen und Forschungseinrichtungen – vor. Das Curriculum des Studiengangs erfüllt die modernen Anforderungen aus diesen Bereichen sowohl inhaltlich als auch methodologisch. Das Hauptaugenmerk liegt bei allen genannten Arbeitsbereichen auf der geforderten Befähigung zu selbständiger und kritischer Forschung auf Basis eines breiten inhaltlichen Wissens. Im Anschluss ist ein Dissertations-Aufbaustudiengang möglich. Denkbar ist aber auch eine Beschäftigung im privatwirtschaftlichen Sektor (Kulturmanagement, Wissenschaftsjournalismus, Tourismus etc.). Der Kontakt und die enge Vernetzung der Abteilung für Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie mit diversen Instituten und Forschungseinrichtungen im In- und Ausland kann für die künftige Berufswahl nützlich sein.
4. Struktur und Aufbau des Studiums
4.1 Modulstrukturen
Der MA-Studiengang "Ur- und Frühgeschichte" ist modularisiert und umfasst insgesamt sieben Module. Jedes der als thematisch aufeinander abgestimmte Veranstaltungskomplexe konzipierten ersten Module 1-5 beinhaltet in der Regel drei bis vier Pflichtveranstaltungen und deckt ein methodologisch-theoretisches Wissen zu einem wesentlichen Forschungsbereich der ur- und frühgeschichtlichen Archäologie ab. Die Module werden mit 10 - 30 LP gratifiziert und müssen in den ersten drei Fachsemestern absolviert werden. Jedes Modul bietet einen selbstständigen Überblick über die jeweilige Thematik. Der MA-Studiengang "Ur- und Frühgeschichte" kann zum Winter- und zum Sommersemester aufgenommen werden. Begonnen werden kann mit einem der grundlegenden Module 1-3.
Das sich aus einer Vorlesung und zwei Seminaren zusammensetzende Modul 1 "Epochen der Ur- und Frühgeschichte Europas" bietet Veranstaltungen zu den beiden zeitlichen Hauptbereichen des Faches: Urgeschichte und Frühgeschichte. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem europäischen Raum. In der thematischen Ausrichtung flexibel, soll die Vorlesung einen erg"nzenden und vertiefenden Einblick zu bestimmten Teilbereichen dieser Epochen liefern.
Mit dem Modul 2 "Angewandte Methodik" werden methodologische, theoretische wie praktische Zugänge zur Analyse und Interpretation archäologischer Quellen behandelt. Die ebenfalls hier erworbene Kompetenz im Umgang mit quantitativen Methoden (statistische Analyseverfahren etc.), mit Seriation, Korrespondenzanalyse oder Horizontalstratigraphie und GIS-bezogenen Auswertungen stellt ein methodisches Instrumentarium zur Auswertung von Befunden und Funden zur Verfügung, auf das die Studierenden in konkreten Forschungssituationen zurückgreifen können, beispielsweise schon bei der Erstellung der Masterarbeit.
Das Modul 3 "Aktuelle Forschungsproblematik" führt aus dem Bereich relativ festgelegter Veranstaltungen hinaus und soll spezifische Einblicke in gegenwärtige Forschungsprobleme und fachspezifische Diskurse ermöglichen und gleichzeitig auch eine Vorbereitung auf die im vierten Fachsemester anzufertigende Masterarbeit sein. Dadurch wird neben einer Darstellung des aktuellen Diskussionsstandes auch das Bewusstsein für Forschungsprozesse an sich geschärft. Um eine flexible Anpassung an den jeweils aktuellen Diskussionsstand zu ermöglichen, ist die inhaltliche Ausrichtung der Veranstaltungen variabel angelegt.
Mit dem Modul 4 "Archäologien der Alten Welt" bekommen die Studierenden einen komplementären Einblick in die Archäologie des östlichen Mittelmeerraums, Ägyptens und Vorderasiens. Der interdisziplinäre Vergleich eröffnet den Studierenden die Möglichkeit, nicht nur eine inhaltliche wie antiquarische Ausweitung des archäologischen Quellenbestandes über den mitteleuropäischen Rahmen vorzunehmen, sondern darüber hinaus einen Vergleich verschiedener archäologischer Disziplinen anstellen zu können. In diesem komparativen Element bietet sich für die Studierenden gleichzeitig die Gelegenheit, den eigenen fachspezifischen Kanon selbstreflektierend zu beurteilen sowie die eigene Expertisekompetenz klarer zu formulieren und schließlich fachübergreifend zu kommunizieren.
Das Modul 5 "Praxis" setzt sich aus drei verschiedenen Praktika zusammen, die jeweils mindestens vier Wochen umfassen sollen. Dazu können auch studienbegleitende Materialaufbereitungen und Materialaufnahmen, z.B. für die Masterarbeit, gezählt werden. Aus dem Bereich der Feldforschung (Grabung, Survey, Vermessungspraktikum) soll genau ein Praktikum absolviert werden. Die Praktika für dieses Modul können während der vorlesungsfreien Zeit gegebenenfalls intern bei Lehrgrabungen der Abteilung für Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie oder extern bei fachaffinen Institutionen (Bodendenkmalpflege, Museum, Labor etc.) absolviert werden. Aus diesem Grund ist eine Streckung des Moduls über drei Semester sinnvoll. Die sich an die Praktika anschließenden schriftlichen Praktikumsberichte und Kolloquien dienen der Nachvollziehbarkeit der geleisteten Arbeit und darüber hinaus ihrer Rekapitulation durch die Studierenden. Dadurch wird nicht zuletzt ein breiteres berufsfeldbezogenes Erfahrungsspektrum eröffnet, als dieses durch eine ausschließlich abteilungsinterne Lösung erreicht werden könnte. National wie international ist erfahrungsgemäß eine ausreichende Basis für derartige Praktika vorhanden, so dass die Studierenden ohne weiteres Praktikaplätze finden können. Darüber hinaus wird auch die Abteilung Ur- und Frühgeschichte als Forschungseinrichtung regelmäßig archäologische Feldforschungen von Prospektionen bis Ausgrabungen als Praktikumsangebote durchführen. In diesem Rahmen sind die nicht im regulären Lehrdeputat angebotenen Praktika zeitlich flexibel zu legen. Um die Qualitätssicherung zu gewährleisten, ist eine intensive Vor- und Nachbereitung mit den Lehrenden sowie eine enge Kooperation zwischen Lehrenden, Studierenden und Praktikumspartnern Voraussetzung. Eine enge Verknüpfung mit der Bodendenkmalpflege ist durch die Umhabilitierung und Ernennung zum außerplanmäßigen Professor von Prof. Dr. Michael M. Rind, dem derzeitigen Direktor der LWL-Archäologie Westfalen, gegeben. Bei den von der Abteilung für Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie durchgeführten Lehrgrabungen betreuen die Lehrenden als wissenschaftliche Leitung der Grabung die Studierenden direkt, bei auswärtigen Praktika begleitend. Die Betreuung wird i. d. R. individuell und flexibel gehalten. In einer Rubrik auf der Homepage der Abteilung für Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie können sich die Studierenden über aktuelle Praktikumsangebote informieren.
Das Modul 6 "Exkursionen" schließlich vermittelt den Studierenden Kompetenzen hinsichtlich der Ansprache, Einordnung und denkmalpflegerischen Behandlung von Bodendenkmälern und schärft das Urteilsvermögen in Bezug auf die Präsentation archäologischer Forschungsergebnisse. Der Besuch von Ausstellungen dient nicht nur der Autopsie wichtigen archäologischen Fundmaterials, sondern präsentiert auch anschaulich neueste Forschungsergebnisse. Die Exkursionen stehen unter der fachlichen Leitung der Lehrenden. Jede Exkursion wird inhaltlich durch eine Lehrveranstaltung vorbereitet, in der die Studierenden im Rahmen von Referaten Hintergrundwissen zu den zu besuchenden Fundplätzen erarbeiten und präsentieren.
Das Modul 7 "Masterarbeit" umfasst die Erstellung der schriftlichen Abschlussarbeit. Sie soll die Anwendungskompetenz der Absolventen anhand eines realen Forschungsgegenstands überprüfen und schließt den Studiengang ab. Die Absolventen werden in dieser Phase intensiv durch die PrüferInnen betreut.
Die Module 4, 5 und 6 können variabel im 1., 2. oder 3. Semester
absolviert werden. Die Erstellung der Masterarbeit bleibt auf das 4.
Semester beschränkt. Die Praxis- und Exkursionsmodule 5 und 6 können
aufgrund ihrer Anforderungen zeitlich flexibel über drei Semester
verteilt werden. Das Modul 4 "Archäologie der Alten Welt" ist in ein bis
zwei Semestern zu bewältigen, kann aber flexibel entweder im 1., 2.
oder 3. Semester belegt werden.
Der gesamte Studiengang besteht aus inhaltlich-konzeptionell aufeinander
abgestimmten Pflichtveranstaltungen. Lediglich im Modul 4 "Archäologien
der Alten Welt" kann aus dem Bereich der Klassischen Archäologie
entweder ein Seminar aus deren Modul zur "Griechischen Welt" oder aus
dem Modul zur "Römischen Welt" gewählt werden.
4.2 Studienbegleitende Prüfungen
Grundlage der Vergabe von Leistungspunkten (LP) sind Referate,
schriftliche Arbeiten, Klausuren, Prüfungsgespräche und natürlich das
Selbststudium. Da bereits in der BA-Phase fundierte Fähigkeiten bei der
Erstellung von Referaten, schriftlichen Zusammenfassungen oder ähnlicher
Studienleistungen erarbeitet worden sind, können entsprechende
Kompetenzen für die MA-Phase vorausgesetzt werden. Im Modul 1 "Epochen
der Ur- und Frühgeschichte Europas" erfolgt die Vergabe von 6 LP für die
Seminare auf Grundlage eines Referates mit einer schriftlichen
Zusammenfassung von mindestens 15 und maximal 25 Textseiten. Die
Seminarleistungen des Moduls 3 "Aktuelle Forschungsproblematik" wird mit
7 LP noch höher bewertet, da neben der Anfertigung einer schriftlichen
Hausarbeit von mindestens 20 und maximal 30 Textseiten Umfang die
Einarbeitung und Ausarbeitung von aktuellen, noch in der Diskussion
befindlichen Forschungsaspekten eine höhere Eigenleistung im
Selbststudium der Studierenden erforderlich macht.
Die Vorlesungen werden jeweils mit 3 LP kreditiert. Neben einer
regelmäßigen Teilnahme muss dazu eine Klausur bzw. ein Prüfungsgespräch
über den Vorlesungsinhalt bestanden werden.
Die Summe der Leistungspunkte eines Moduls wird nur dann vergeben, wenn
alle Studienleistungen erbracht und alle prüfungsrelevanten Leistungen
des Moduls bestanden wurden.
Der gesamte Studiengang besteht aus inhaltlich-konzeptionell aufeinander
abgestimmten Pflichtveranstaltungen. Lediglich im Modul 4 "Archäologien
der Alten Welt" kann aus dem Bereich der Klassischen Archäologie
entweder ein Seminar aus deren Modul zur "Griechischen Welt" oder aus
dem Modul zur "Römischen Welt" gewählt werden.
Die Leistungen müssen den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens gerecht
werden. Dadurch kann überprüft werden, inwieweit die Studierenden zu
einer selbständigen Aneignung und korrekten Reproduktion komplexer
Fachinhalte in der Lage sind. Gleichzeitig üben die Studierenden weiter
die Präsentation und Vermittlung ihrer Ergebnisse vor einer
Personengruppe ein. Beide Elemente stellen eine wesentliche
berufsfeldqualifizierende Kompetenz dar.
4.3 Praktika
Das Praxismodul (Modul 5) des Studiengangs "Ur- und Frühgeschichte" sieht als Instrument einer Sicherung des Praxisbezugs drei vierwöchige Praktika vor. Diese sollen in Institutionen absolviert werden, die fachspezifische Qualifikationen bereitstellen. Es handelt sich dabei um die Teilnahme an archäologischen Feldforschungen im In- oder Ausland, Mitarbeit in fachinternen Einrichtungen und Forschungsinstituten bzw. um Museumspraktika. Praktika dieser Art können von der Abteilung für Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie angeboten werden, können und sollen aber auch von den Studierenden eigenverantwortlich organisiert werden. Auf diese Weise wird eine hinlängliche Befähigung zur archäologischen Feldforschung, Museumstätigkeit etc. als berufsfeldbezogene Qualifikation gewährleistet. Eine enge Kooperation mit den anbietenden Einrichtungen gewährt die Wahrung der Qualität der Praktika.
Über den universitären Bereich hinaus ist eine enge Zusammenarbeit der Abteilung Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie mit den regionalen Kulturpflegeeinrichtungen Westfalens vorhanden, die Studierenden die Möglichkeit zur Absolvierung von Praktika bietet. Im Einzelnen handelt es sich um folgende Institutionen:
-
Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL):
- wissenschaftliche Kommissionen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe
- LWL – Archäologie für Westfalen, Außenstelle Münster
- Deutsches Schifffahrtsmuseum Bremerhaven (Institut der Leibniz-Gemeinschaft) (Forschungsministerium Land Niedersachsen)
- Archäologisches Freilichtmuseum Oerlinghausen
- Archaeological Institute and Museum, Bulgarian Academy of Sciences, Sofia
- Niedersächsisches Institut für historische Küstenforschung Wilhelmshaven
- Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege
- Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück
- Museen und Sammlungen in NRW, Hessen, Niedersachsen, Bremen, Hamburg
Kooperationsverträge sind verabredet mit:
Ständiger Austausch besteht besonders mit:
4.4 Sonstige Anforderungen
Die inhaltlichen wie methodologischen Schlüsselqualifikationen werden durch eigenes Recherchieren, Strukturieren und Präsentieren maßgeblich in Form von Referaten erreicht und durch kritische Analysen im Seminar überprüft. Selbstständigkeit im wissenschaftlichen Arbeiten wird daher vorausgesetzt. Gerade im Modul 2 "Angewandte Methodik" lässt sich zudem projektbezogenes Arbeiten, z.B. die Analyse eines ausgewählten Gräberfeldes, im Rahmen von Kleingruppen sinnvoll realisieren. Dadurch wird nicht nur eine Heranführung an die methodischen Standards erreicht, sondern auch kommunikative und soziale Kompetenz sowie die Strukturierung von Arbeitsprozessen anhand einer konkreten Zielvorgabe gefördert.
5. Hinweise zur Studien- und Prüfungsordnung
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Die Prüfungsordnung finden Sie unter http://zsb.uni-muenster.de/material/m767m_3.htm. |
6. Literaturhinweise
- R. Bernbeck, Theorien in der Archäologie (Tübingen, Basel 1997).
- M. K. H. Eggert, Prähistorische Archäologie. Konzepte und Methoden. UTB 2092 (Tübingen, Basel 2001).


