Studieninfo zum Fach Psychologie

Abschluss: Bachelor of Science

Stand: 16.11.2011


Inhalt
  1. Portrait des Fachs
  2. Anforderungen an Studieninteressierte
  3. Berufs- und Tätigkeitsfelder
  4. Struktur und Aufbau des Studiums
  5. Hinweise zur Studien- und Prüfungsordnung
  6. Literaturhinweise



1. Portrait des Fachs


1.1 Geschichte und Methoden


Eine zugleich alte und junge Wissenschaft

Der berühmte Psychologe Hermann Ebbinghaus hat um die Jahrhundertwende gesagt: "Die Psychologie hat eine lange Vergangenheit, aber eine kurze Geschichte." Er meinte damit, dass die Menschen zwar immer schon über psychologische Fragestellungen, wie das Entstehen von Gefühlen, den Verlauf von Denkprozessen, die Beziehung zwischen den Personen oder die kindliche Entwicklung nachgedacht haben, dass sich die Psychologie als eigenständige Wissenschaft aber erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts etabliert hat. Heute ist die Psychologie eine empirische Wissenschaft, deren Zielsetzung sich als die Erforschung des menschlichen Erlebens und Verhaltens beschreiben lässt. Sie hat in ihrer relativ kurzen Geschichte bereits eine gut ausformulierte Methodenlehre entwickelt und eine Reihe von praktischen Anwendungsfeldern erschlossen, die von großer gesellschaftlicher Bedeutung sind (Klinische Psychologie, Arbeits- und Organisationspsychologie, Pädagogische Psychologie, Psychologische Diagnostik, etc.).



1.2 Lehr- und Forschungsschwerpunkte


Das Fach Psychologie der Westfälischen Wilhelms- Universität gliedert sich in 2 Institute:

    I. Institut für Psychologie

    II. Institut für Psychologie in Bildung und Erziehung

Die Institute bestehen aus mehreren Arbeitseinheiten. Die verschiedenen Arbeitseinheiten sind jeweils einer Professur zugehörig und beschäftigen sich mit unterschiedlichen Forchungsschwerpunkten. Die Forschung der einzelnen Arbeitseinheiten des Fachs Psychologie zeichnet sich durch ein breite Vielfalt aus. Über die Seite www.uni-muenster.de/Psychologie/forschung/schwerpunkte.html kann man sich einen Überblick über die aktuellen Forschungsaktivitäten verschaffen.



1.3 Studiensituation in Münster


Der Studiengang Bachelor of Science in Psychologie zeichnet sich aus durch eine breite Grundlagen- und Methodenausbildung sowie eine vertiefende anwendungsbezogene Ausbildung, die dem Studium bereits eine berufsbezogene Richtung gibt. Als Anwendungsfächer stehen zur Wahl die Arbeits- und Organisationspsychologie, die Klinische Psychologie sowie die Pädagogische Psychologie. Im 5. und 6. Semester belegen die Studierenden Vertiefungsveranstaltungen und eignen sich dadurch praxisrelevantes Wissen in den Anwendungsbereichen der Psychologie an.


Unterstützung der Studierenden während ihres Studiums


Zur Orientierung und bei Fragen oder Problemen können sich die Studierenden des Fachs Psychologie an die Studienfachberatung wenden. Montags bis donnerstags wird täglich eine offene Sprechstunde angeboten, für die kein Termin benötigt wird. Zusätzlich werden individuelle Beratungstermine vergeben, um über Themen wie Studienplanung, Auslandsaufenthalt, Praktika, Prüfungen, Berufsfelder, etc. zu sprechen. Auch Studieninteressierte sind herzlich willkommen bei der Studienfachberatung vorbei zu kommen, um sich zu informieren.

Mit der Einführung des Bachelor of Science Psychologie zum Wintersemester 2007/08 startet ein Mentorenprogramm am Fachbereich, das den Studierenden nicht nur übergreifend planerische Unterstützung, sondern auch einen fachbezogenen inhaltlichen Austausch mit Lehrenden des Fachs bietet. Zu Beginn des Studiums wird den Studierenden eine Mentorin/ein Mentor zugelost. Diese Person trifft sich in regelmäßigen Abständen mit der/dem Studierenden und steht während der gesamten Studienzeit als Ansprechpartnerin/Ansprechpartner zur Verfügung.




2. Anforderungen an Studieninteressierte


Realistische Erwartungen

Viele Studienanfängerinnen/Studienanfänger haben unrealistische Erwartungen an die Inhalte des Psychologiestudiums. Häufig wird Psychologie mit der Tiefenpsychologie, manchmal sogar noch enger mit der Psychoanalyse im Sinne von Sigmund Freud gleichgesetzt. Bereits in den ersten Semestern stellen diese Studienanfängerinnen/Studienanfänger dann enttäuscht fest, dass wesentliche Teile der Ausbildung in der Vermittlung von theoretischen und methodischen Grundlagen bestehen, dass Literaturstudium und auch die mathematisch-statistische Ausbildung ihren festen Platz haben. Gerade für das Studium an der Universität Münster mit einem der größten Fachbereiche für Psychologie in Deutschland gilt eine doppelte Zielsetzung: Alle Studierenden sollen sowohl eine fundierte wissenschaftliche wie auch eine praxisorientierte Ausbildung erhalten. Dahinter steht die Auffassung, dass Absolventinnen/Absolventen den zukünftigen Anforderungen in diesem Fach nur gewachsen sein werden, wenn sie über ein breites Hintergrundwissen und gut eingeübte Methoden und Techniken verfügen.




3. Berufs- und Tätigkeitsfelder


Die folgende Liste zeigt eine (große) Auswahl der Berufs- und Tätigkeitsfelder von Psychologinnen und Psychologen. Die Einsatzfelder liegen in sehr unterschiedlichen Arbeitsgebieten. Es wird davon ausgegangen, dass für einige dieser Berufstätigkeiten ein Master of Science in Psychologie vorausgesetzt wird. Die Approbation zum Psychologischen Psychotherapeuten kann nach derzeitigem Stand z.B. nur mit einem solchen Master- Abschluss absolviert werden. Der Abschluss B.Sc. Psychologie gilt als erster berufsqualifizierender Abschluss, d.h. Absolventinnen und Absolventen können sich damit auf dem Arbeitsmarkt bewerben.

Klinische Psychologie
  • Klinische Diagnostik
  • Psychotherapie (mit Approbation)
  • Neurowissenschaften
  • Rehabilitationspsychologie
  • Behinderten- und Altenbetreuung
  • Gutachtertätigkeit
Arbeits- und Organisationspsychologie
  • Leistungsdiagnostik
  • Personalauswahl
  • Personalentwicklung
  • Unternehmensberatung und –entwicklung (z.B. Messung der Arbeitszufriendenheit)
  • Fort- und Weiterbildung (z.B. Trainer)
  • Markt-, Meinungs- und Imageforschung
Pädagogische Psychologie
  • Erwachsenenbildung
  • Studien- und Bildungsberatung
  • Eltern-/Erziehungsberatung
  • Schulpsychologische Beratung
  • Entwicklung von E-Learning Programmen und Lernsoftware
  • Hochbegabtendiagnostik und -förderung
  • Entwicklungspsychologie
  • Sucht- und Krisenberatung
Forschung und Lehre
  • Universitäten
  • Forschungsinstitute (z.B. Max-Planck, Fraunhofer)
Sportpsychologie
Rechtspsychologie
Verkehrspsychologie



4. Struktur und Aufbau des Studiums


4.1 Modulstrukturen


Der Studiengang Bachelor of Science (B.Sc.) Psychologie gliedert sich in insgesamt 23 Module, einschließlich 12 Wochen berufspraktischer Tätigkeit und einer Bachelorarbeit. Das Studium ist auf 6 Semester angelegt und bietet neben den Grundlagenfächern (Allgemeine Psychologie/Kognitive Neurowissenschaft, Biologische Psychologie, Differentielle und Persönlichkeitspsychologie, Entwicklungspsychologie, Sozialpsychologie) eine fundierte Methodenausbildung, diagnostische Kenntnisse und die drei Anwendungsfächer Arbeits- und Organisationspsychologie, Klinische Psychologie und Pädagogische Psychologie.

Einführungsmodul

Die Veranstaltungen des Einführungsmoduls, die alle im ersten Semester stattfinden, vermitteln einen Überblick über die wesentlichen Inhalts- und Forschungsgebiete der Psychologie. Die Studierenden besuchen eine Vorlesung zur Geschichte und zu aktuellen Themenfeldern der Psychologie, sowie eine weitere einführende Vorlesung zu Forschungsmethoden der Psychologie. Darüber hinaus eignen sich die Studierenden allgemeine Arbeits- und Lerntechniken sowie Strategien zum selbstregulierten Studium in dem Seminar 'Anleitung zum wissenschaftlichen Arbeiten' an.

Eine zusätzliche Leistung, die von den Studierenden verlangt wird, ist die Teilnahme an psychologischen Versuchen, die am Fachbereich durchgeführt werden. Insgesamt müssen 30 Versuchspersonenstunden nachgewiesen werden.

Grundlagenfächer

Das Studium der Grundlagenfächer gibt einen Überblick über die zentralen Konzepte, Theorien, Forschungsmethoden und Befunde in folgenden Bereichen:

  • Allgemeine Psychologie & Kognitive Neurowissenschaft
  • Differentielle und Persönlichkeitspsychologie
  • Entwicklungspsychologie
  • Sozialpsychologie
  • Biologische Psychologie

Das Modul Biologische Psychologie umfasst eine Vorlesung, in den anderen Grundlagenfächern finden Vorlesungen sowie Seminare statt.

Methodenlehre

Das Psychologie-Studium der Universität Münster beinhaltet eine fundierte Methodenausbildung. Innerhalb der ersten beiden Semester beschäftigen sich die Studierenden intensiv mit Statistik, wobei die Vorlesungen immer von Tutorien begleitet werden, in denen Übungen besprochen und Fragen geklärt werden können. Parallel werden Kenntnisse zu computergestützter Datenanalyse vermittelt.

Im Rahmen von experimentellen Praktika geht es darum das selbstständige Planen und Durchführen von Versuchen zu lernen. Die Studierenden beschäftigen sich mit ausgewählten Themengebieten der Psychologie, lesen Fachliteratur und generieren eigene Fragestellungen, die durch Experimente ergründet werden sollen.

Diagnostik

Das Modul Psychologische Diagnostik wird durch zwei Vorlesungen sowie zwei Seminare abgedeckt. Die Vorlesungen befassen sich mit den Grundlagen psychologischer Messung und weiterführend mit der Testtheorie. Im dritten Semester findet planmäßig ein Seminar zur Gesprächsführung statt, innerhalb dessen Gesprächssituationen und diagnostische Interviews unter anderem geübt werden. Ein weiteres Seminar, das im vierten Semester belegt wird, vermittelt den praktischen Umgang mit Persönlichkeits- und Leistungstests.

Anwendungsfächer

  • Arbeits- und Organisationspsychologie
  • Klinische Psychologie
  • Pädagogische Psychologie

Im dritten und vierten Semester findet eine Basisausbildung in allen drei Anwendungsfächern statt, um grundlegende Kenntnisse über ein breites Spektrum zu vermitteln und den Studierenden die Wahl eines Interessenschwerpunkts für das letzte Studienjahr zu ermöglichen. Im 5. und 6. Semester werden Projektseminare in den Anwendungsfächer als praxisorientierte Vertiefung gewählt.

Bachelorarbeit

Im Rahmen der Bachelorarbeit wird eine psychologisch-empirische Untersuchung geplant, durchgeführt und ausgewertet. Anschließend wird die Forschung als wissenschaftliche Arbeit festgehalten. Die Bearbeitungszeit der Bachelorarbeit umfasst 12 Wochen.

Berufspraktikum

12 Wochen berufspraktische Tätigkeit werden von den Studierenden bis zum Ende des Studiums verlangt. Es können bis zu drei Einzelpraktika im Umfang von jeweils 4 Wochen geleistet werden, entweder im Block während der Semesterferien oder auch in Teilzeit semesterbegleitend.



4.2 Studienbegleitende Prüfungen


Die Bachelorprüfung wird studienbegleitend abgelegt. Sie setzt sich aus prüfungsrelevanten Leistungen eines jeden Moduls und der Bachelorarbeit zusammen. Die Gesamtnote des Bachelors wird aus den einzelnen Modulnoten und der Note für die Bachelorarbeit errechnet.



4.3 Praktika


Während der gesamten Studienzeit ist eine berufspraktische Tätigkeit von mindestens 12 Wochen zu erbringen. Es sollen psychologische Tätigkeiten ausgeführt werden, um einen Einblick in Berufsfelder zu bekommen und psychologisches Wissen in einen praktischen Rahmen einordnen zu können. Wichtig ist, dass die Praktika unter der Anleitung einer Person mit einem berufsqualifizierenden Abschluss in Psychologie stattfinden (Bachelor, Master oder Diplom in Psychologie).



4.4 Sonstige Anforderungen


Der B.Sc. Psychologie ist ein durchstrukturierter Studiengang mit sehr klaren Inhalten und relativ wenigen Wahlmöglichkeiten. Die Bereitschaft sich an eine klare Studienstruktur und deren Inhalte anzupassen bzw. mit diesen zu rechnen, gilt als eine grundlegende Anforderung an zukünfitige Studierende der Psychologie.

Innerhalb des Psychologie-Studiums wird immer wieder die Kooperation zwischen den Studierenden verlangt, sie müssen häufig in Kleingruppen zusammen arbeiten (z.B. bei der Versuchsplanung und -durchführung) und sollten aus diesem Grund eine Bereitschaft mitbringen im Team zu arbeiten.

Innerhalb des Psychologiestudiums müssen die Studierenenden grundlegende wissenschaftliche Arbeiten mit dem Computer erledigen, wie z.B. Berichte schreiben oder computergstützte Datenanalysen durchführen. Des Weiteren wird verlangt sich intensiv mit englischsprachiger Fachliteratur zu beschäftigen. Grundlegende Computerkenntnisse sowie Sprachkenntnisse in Englisch sind deshalb äußerst hilfreich.

Wer Psychologie studieren möchte, sollte keine Scheu vor Mathematik und den Naturwissenschaften haben. Wichtige Bestandteile des Psychologie-Studiums sind die Statistik sowie die Aneignung von Wissen und Arbeitstechniken der Sozial- und der Naturwissenschaften.




5. Hinweise zur Studien- und Prüfungsordnung


Lupe Die Prüfungsordnung finden Sie unter
http://zsb.uni-muenster.de/material/m618b_3.htm.



6. Literaturhinweise


Literatur, die inhaltlichen Einblick in das Fach gibt

Atkinson, Rita L. et al. (Ed.)
Hilgard's Introduction to psychology (13th Edition)
Harcourt College Publ., Fort Worth 2000
Myers, David (Hrsg.)
Psychologie
Springer, Heidelberg 2005
Schönpflug, Wolfgang
Einführung in die Psychologie (1. Auflage)
Beltz, Weinheim 2006

Zimbardo, Philip G. & Gerrig, Richard J. (Hrsg.)
Psychologie (18. Auflage)
Pearson Studium, München 2007

Blätter zur Berufskunde

Sternberg, Karin & Amelang, Manfred (Hrsg.)
Psychologen im Beruf
Kohlhammer, Stuttgart 2008



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